Projekttag Parapsychologie

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„Spukphänomene stellen, so glaube ich, eine via regia oder den Königsweg zu einem umfassenden Verständnis des Menschen und seiner Stellung in der Natur und der Natur selbst dar“ (Hans Bender)

„Spuk ist der größte Verstoß gegen den gesunden Menschenverstand und guten Ge-schmack“ (Fanny Moser)

Am Donnerstag, dem 4. Februar 2016 war Herr Walter von Lucadou, Leiter der Parapsychologischen Beratungsstelle in Freiburg, zu Gast an der FOS Schweinfurt, um die Schülern und Schülerinnen der S 13 über das Thema „Parapsychologie“ zu informieren und über ausgewählte Themen aus dem Objektbereich dieser psychologischen Grenzwissenschaft zu diskutieren.

Unter Parapsychologie wird die Anwendung empirischer Forschungsstrategien auf Erlebnisse und Verhaltensweisen des Menschen verstanden, die aus dem bisher bekannten Erklärungsrahmen der etablierten Disziplinen von Psychologie, Biologie und Physik herauszufallen scheinen. Damit steht die Parapsychologie notwendigerweise im Schnittpunkt ganz unterschiedlicher Disziplinen und muss „interdisziplinär“ betrieben werden. Im Wesentlichen umfasst die Parapsychologie zwei Forschungsbereiche:

  1. Unter dem „kognitiven” Aspekt wird als „außersinnliche Wahrnehmung” die Frage untersucht, ob und unter welchen Bedingungen Menschen in der Lage sind, Informationen außerhalb bisher bekannter und definierter sensorischer Kanäle aufzunehmen und/oder abzugeben.
  2. Unter dem „motorischen” Aspekt als „Psychokinese” wird die Frage untersucht, ob und unter welchen Bedingungen Menschen eine direkte „psychische” Wirkung auf physikalische Systeme ausüben können, die den bisher bekannten bzw. akzeptierten naturwissenschaftlichen Erklärungsmodellen zu widersprechen scheinen.
  3. Die Parapsychologie beschäftigt sich jedoch auch mit weiteren Anomalien, wie z.B. merkwürdige physikalische Phänomene oder ungewöhnliche menschliche Erfahrungen.

Obwohl - auf Nachfrage der Schüler - viele spezifische Themen und Inhalte darlegt wurden, konnte das riesige Feld der Parapsychologie nicht annähernd durchschritten werden. Herr von Lucadou berichtete davon, dass viele Menschen immer wieder ungewöhnliche, rätselhafte und unerklärliche Dinge erleben, die nicht in die Erfahrungswelt ihres Alltags einordenbar sind, über die sie nicht ohne weiteres berichten können. Solche Erlebnisse werden häufig als paranormal bezeichnet. Die Frage, ob eine geschilderte ungewöhnliche Erfahrung nach gründlicher wissenschaftlicher Untersuchung konventionell erklärt werden kann oder nicht, spielt dabei zunächst keine Rolle. Repräsentative Umfragen haben gezeigt, dass fast drei Viertel der deutschen Bevölkerung mindestens einmal in ihrem Leben ein ungewöhnliches Erlebnis hatten, das sich im weitesten Sinne dem Bereich paranormale Erfahrungen zuordnen lässt. Neben den klassischen paranormalen Erfahrungen wie Wahrtraum, Erscheinung, Spuk oder außersinnliche Wahrnehmung wird auch häufig von Erfahrungen, die mit Begriffen wie Magie beschrieben werden, ungewöhnlichen körperlichen Erfahrungen oder außerkörperlichen Erfahrungen berichtet. Das generelle Auftreten solcher Erlebnisse ist unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Bildung oder Religion. Das weit verbreitete Interesse an solchen Erfahrungen steht in starkem Widerspruch zu der Möglichkeit solche Erlebnisse als Betroffene/r vorurteilsfrei zu kommunizieren. Gleichzeitig erwecken oberflächliche, unzureichende oder falsche Informationen (insbesondere auch aus den Medien) sowohl unbegründete Ängste als auch fehlgeleitete Hoffnungen.

Im Laufe des Projekttages kristallisierte sich ein Thema heraus, über welches Herr von Lucadou eindrucksvoll berichtete: Spukphänomene! Der Spuk – so Lucadou - ist nichts Gefährliches, nichts was Menschen zerstört. Er macht lediglich auf etwas aufmerksam. Unter allen parapsychologischen Phänomenen stellt offensichtlich der Spuk die größte Herausforderung an die Verstehbarkeit der Natur dar. Er scheint einen unüberwindbaren Gegensatz zwischen der rationalen Naturbeschreibung und einer verborgenen symbolisch bildhaften Wirklichkeit zu offenbaren. Wenn es an bestimmten Orten spukt, hat das weniger mit der Lokalität selbst, sondern mit den Personen und Menschen zu tun, die diesen Spuk erleben und auslösen. Traditionellerweise wird das Spukgeschehen an der Lokalität des Geschehens festgemacht. Es bleibt allerdings die Frage, ob der „unheimliche“ Ort eher im Spukhaus oder in der Psyche des Menschen zu suchen ist. Zwar sind Spukerscheinungen von anderen Menschen objektiv wahrnehmbar, jedoch treten sie nur auf, wenn diese „Focuspersonen“ anwesend sind. Der Spuk ist somit – aus (tiefen)-psychologischer Sicht - eine dramatische Inszenierung eines unbewussten psychisch-mentalen Szenarios, welches physikalisch wiedergegeben wird. Spuk ist demnach eine psycho-somatische Reaktion, die in der Umgebung der Focusperson stattfindet. Aus psychologischer Perspektive weisen Focuspersonen (Spukauslöser) eine Bereitschaft zur „Dissoziativität“ und „Externalisierung“ sowie eine „somatische Robustheit“ auf. Zudem liegen im einem bestimmten Spukkontext immer verdrängte, subjektiv unbekannte Probleme der Focusperson vor. Herr Lucadou verdeutlichte diese Begriffe mit eindrucksvollen Bildern und Ausführungen und referierte weiterführend über physikalische Theoriegrundlagen von Spukphänomenen, gab vertiefende Einblicke in die verallgemeinerte Quantentheorie und konnte schließlich eine schlüssige Erklärungsgrundlage für Spukphänomene geben. Insbesondere verdeutlichte er verschiedene physikalische Phänomene, wie z.B. die „“Komplementarität“, d.h., dass Messgrößen (Observablen) sich aufgrund ihrer Reihenfolge beeinflussen, die „symbiotische Verschränkung“ als Konsequenz von Komplementarität und die „organisierte Geschlossenheit“, innerhalb derer ganz andere physikalische Wahrscheinlichkeiten gelten, u.v.m.

Die Schüler und Schülerinnen der FS 13 sind sich einig, von Herrn Walter von Lucadou einen kompetenten Einblick in ein das außergewöhnliche Wissenschaftsgebiet der Parapsychologie erhalten zu haben. Das große Interesse daran zeigte sich auch an den zahlreichen Nachfragen der Schüler und Schülerinnen. Der Projekttag „Parapsychologie“ wird auch für den Psychologieunterricht in den kommenden Wochen und Monaten viele interessante Ansatzpunkte für weitere Diskussionen und inhaltliche Vertiefungen geben!

Für den Fachbereich

Christian Tschertner