Schultheater

"Wer nur sich selbst spielen kann, ist kein Schauspieler"

(Johann Wolfgang von Goethe)

 

Theater von Schülern an einer FOS/BOS ist zugegebenermaßen eine Herausforderung der besonderen Art: nicht nur für den Leiter der Theatergruppe, sondern vor allem für die teilnehmenden Schüler. 

In einem mehr als vollgepackten dreiviertel Jahr, an dessen Ende als Hauptziel schließlich das Fachabitur oder die fachgebundene bzw. allgemeine Hochschulreife stehen, bleibt wenig Spielraum für anderweitige Aktivitäten. 

Die dieser Schulart eigene hohe Fluktuation verhindert natürlich einen längerfristigen Aufbau einer festen Theatergruppe – stattdessen werden die Karten jedes Jahr neu gemischt. 

Die Schüler können also nicht zu einer bestehenden Gruppe stoßen, von deren Erfahrungen profitieren und in das Spiel hineinwachsen, sondern müssen sich jedes Jahr völlig neu formieren, was allen Beteiligten viel Flexibilität und Empathie abverlangt.

Umso erfreulicher ist es, dass sich immer wieder aufs Neue begeisterungsfähige junge Menschen an dem Projekt Schultheater beteiligen und dafür viel Zeit und Engagement aufbringen.

Warum aber ist das Theater an einer FOS/BOS überhaupt eine sinnvolle Beschäftigung und nicht reine Zeitvergeudung? 

Ist es nur das Ziel der Aufführung, die Gelegenheit auf einer Bühne zu stehen, sich im Zeitalter von Castingshows auch einmal selbst zu produzieren?

Sicher nicht. 

Eine Aufzählung pädagogischer Überlegungen zu diesem Thema, deren Bogen sich von der Vermittlung von Schlüsselqualifikationen wie dem verantwortungsvollen, ausdauernden Arbeiten innerhalb einer Gruppe auf ein gemeinsames Ziel hin über den Erwerb zahlreicher Kernkompetenzen wie der Präsentation vor fremdem Publikum bis hin zur individuellen Schulung von Rhetorik, Mimik und Gestik spannen lässt, sei an dieser Stelle nur angeschnitten.

Die Konfrontation mit einem neuen Stoff, die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema, der Rolle eröffnen neue Horizonte. Das Theater bietet so den Raum andere Denk- und Handlungsstrategien auszuprobieren, sich auf Fremdes einzulassen und ein Gespür für unterschiedliche Interpretationswege zu entwickeln und diese in ihrer Wirkungsweise zu verstehen. 

Somit hilft das Schultheater Fähigkeiten zu erlernen und zu festigen, die im weiteren (Berufs-) Leben der Schüler von großer Bedeutung sind und das Verständnis für sozial-dynamische Prozesse und damit für gesellschaftliche Entwicklungen und Notwendigkeiten fördern.

 

Friedemann Müller, Studienrat