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Psychiatrie im Nationalsozialismus – ein Rückblick in finstere Zeiten

Dr. Thomas Schmelter M.A. vor 11. Jahrgangsstufe

BRA Thomas Schmelter Vortrag


Dr. Thomas Schmelter arbeitete viele Jahre als Oberarzt in der Psychiatrie Werneck. Er wies zunächst in seinem Vortrag darauf hin, dass heutzutage in der Psychiatrie Werneck mit Medikamenten, Einzel- und Gruppengesprächen, Kunsttherapie und vielem mehr verantwortungsvoll und effektiv behandelt wird. Exkursionen in die Klinik seien ebenso möglich wie Praktika, besonders interessant für Schülerinnen und Schüler im Sozialzweig.


Menschenverachtende Ideologie

Bei seiner Beschäftigung mit der düsteren Vergangenheit der Klinik habe er feststellen müssen, dass die Wurzeln für Überlegungen, psychisch Kranke zu sterilisieren oder die Kranken gar von ihren Leiden zu „erlösen“, tief ins 19. Jahrhundert reichen. Auch finanzielle Überlegungen spielten eine Rolle, besonders in den Notzeiten um den 1. Weltkrieg. Diese Ideen mündeten dann in die menschenverachtende NS-Ideologie der Vernichtung „lebensunwerten Lebens“, an der sich Ärzte und Schwestern/Pfleger in unterschiedlicher Weise mit schuldig machten.


Auch in Schweinfurt

In den Heil- und Pflegeanstalten wurden Meldebögen mit Diagnosen und Verweildauer ausgefüllt und an Erb- und Gesundheitsgerichte (es gab auch in Schweinfurt ein solches) geschickt. Als erste Stufe nationalsozialistischer Eugenik gab es Zwangssterilisationen. Dr. Schmelter schilderte dies eindrucksvoll am Beispiel einer jungen Frau aus Marktbreit, die auf Grund einer unglücklichen Liebesgeschichte in eine Lebenskrise geraten war und nach Werneck kam. Sie wurde zwangssterilisiert und schilderte viele Jahre später als alte Frau, wie sie darunter ihr ganzes Leben lang gelitten habe.


Tod im Gas

Die nächste Stufe war die Tötung unheilbar Kranker überall im Deutschen Reich. Die Klinik Werneck wurde als Psychiatrie im Oktober 1940 geschlossen, man benötigte Platz für sogenannte volksdeutsche Umsiedler. Die Patienten sollten nach Lohr verlegt werden, was bei einigen auch der Fall war. Viele Namen auf den Entlassungsbögen aber wurden in eine „unbek. Anstalt“ verlegt. Im Klartext bedeutete das den Tod im Gas. Die Angehörigen bekamen gefälschte Totenbescheinigungen, es gab daraufhin Unmut und Gerüchte in der Bevölkerung. Das ganze Ausmaß des Verbrechens zum Erreichen einer angeblich "leidensfreien" und „erbgesunden“ Gesellschaft des „Herrenvolks“ wurde aber erst nach dem Krieg klar, und die Aufarbeitung lief nur zögernd an.


Regionaler Bezug

Der Vortrag beeindruckte durch die klare Struktur, die interessanten und anrührenden Details und das Bildmaterial und natürlich durch den regionalen Bezug: Das Krankenhaus für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Schloss Werneck liegt nur 12 Kilometer von Schweinfurt entfernt.


Margarete Brand, Studiendirektorin

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