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Die Sprache der Diplomatie kennengelernt

Konsul Stephen Ibelli besuchte die Friedrich-Fischer-Schule

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Hoher Besuch stand der Friedrich-Fischer-Schule am 11. Oktober ins Haus und alle wollten dabei sein. Auch diejenigen Schülerinnen und Schüler der 13. Klassen und der beiden neuen Wahlkurse „International Policy“ und „International Business“, die eigentlich schon vor dem Termin mit Konsul Stephen Ibelli an der FFS Schulschluss hatten.

Englisch- und Sozialkunde-Lehrer Thorsten Kunkel hatte die Veranstaltung mit Ibelli seit April des Jahres organisiert.

Die FFS-Schülerinnen und -Schüler kannten keine Scheu vor dem „großen Tier“ aus dem US-Generalkonsulat in München. Eifrig und ausdauernd, vor allem aber auch mit bohrenden Nachfragen diskutierten sie mit Ibelli, der am Generalkonsulat seit zwei Jahren „Konsul für Öffentlichkeitsarbeit ist“. Das Deutsch-Amerikanische Institut in Nürnberg hat auf den Wunsch Ibellis hin für den kommunikativen und sympathischen Diplomaten eine Tournee unter dem Motto „100 Schools – 100 Days“ organisiert und die FFS stand bei Ibelli auf dem Tourneeplan.

 

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Zwischen den Zeilen lesen oder hören

Sehr zur Freude der Schulleitung, Schulleiter Harald Bauer und sein Stellvertreter Ralf Prosch hießen den Gast gleich zweimal willkommen, kamen die FFS-Schülerinnen und -Schüler nach anfänglichem Zögern richtig gut in Fahrt und fragten Ibelli Löcher in den Bauch.

Der gab souverän und rhetorisch versiert den Diplomaten und ließ keine Frage oder Nachfrage unbeantwortet, ließ aber die Schülerinnen und Schüler immer wieder auch zwischen den Zeilen lesen bzw. hören. Und schließlich forderte er sein interessiertes Publikum gar auf, sich selbst zu prüfen, ob nicht eine Berufskarriere im diplomatischen Dienst der Bundesrepublik Deutschland in Frage käme.


Vielleicht ja schon.

Aber nachdem Ibelli auf Nachfrage aus dem Plenum ganz unspektakulär erzählte, dass er während seiner Dienstzeit im Irak auch schon einmal mit einer Waffe auf Leben und Tod bedroht worden sei und dass er natürlich Einsatzwünsche äußern könne, aber nicht immer alle Wünsche erfüllt würden, danach könnte so manche Interessentin, so mancher Interessent vielleicht doch gleich wieder ins Grübeln geraten sein. Während seines Dienstes in Tunesien wurde die US-amerikanische Botschaft von mehreren Tausend Menschen überrannt, auch das sei kein rein friedlicher Spaß gewesen. Der Dienst, so Ibelli schließlich, sei durchaus gelegentlich auch gefährlich, aber darüber denke man nicht nach, wenn man sich einmal dafür entschieden habe.

Durchaus spannend und Neugier erweckend erläuterte Ibelli dann seinen beruflichen Werdegang bis zum Einstieg in den diplomatischen Dienst der USA und seinen ganz normalen Arbeitsalltag als Konsul.

 

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Machen Sie von Ihren demokratischen Rechten Gebrauch

Ibelli beschwor die die Schülerinnen und Schüler immer wieder, von ihren demokratischen Rechten Gebrauch zu machen. Die meisten Länder auf der Erde seien nicht demokratisch organisiert und deren Bürgerinnen und Bürger kennen das Privileg, in einer freien Gesellschaft leben oder auch nur in die Schule gehen zu dürfen, überhaupt nicht. In Deutschland habe er ähnlich wie in den USA beobachtet, dass ausgerechnet die jungen Wähler oft gar nicht zur Wahl gehen würden.

 

Aldi und Lidl haben wir auch

Ein überzeugender Botschafter für Freiheit und Demokratie ist Ibelli aber allemal.

Natürlich wollten die FFS-Schülerinnen und -Schüler wissen, wie er sich als Diplomat verhalte, wenn sein Präsident immer wieder politische und persönliche Hämmer via Twitter und Co raushaue.

Die Beziehungen zwischen beispielsweise den USA und der Bundesrepublik seien möglicherweise auf oberster Ebene nicht immer bestens, aber auf den darunter angesiedelten Ebenen klappe das meist hervorragend. Man müsse immer im Auge haben, dass etwa 45 Millionen von den ungefähr 300 Millionen Amerikanern deutsche Wurzeln hätten. Und mit einem charmanten Lächeln fügte Ibelli hinzu: „Aldi und Lidl haben wir auch“.

Außerdem, so Ibelli auf Nachfragen aus dem Publikum, sei er als Diplomat im Dienste seines Landes unterwegs, denken könne er aber zu bestimmten Vorgängen auch etwas anderes.

Zum Kommunikationsstil von Präsident Trump erklärte Ibelli schließlich, dass Social Media aus der Welt nicht mehr wegzudenken seien und dass sich die Kommunikation zwischen den Menschen und auch zwischen den Ländern verändert habe und weiter verändern werde. Wie in Amerika, so hätten auch in Deutschland die großen Tageszeitungen Mühen, mit der Bleiwüste auf ihren Seiten das Lese-Publikum an sich zu binden.

 

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Was aber, wenn der Präsident die Gesellschaft spaltet

Dass eine Kluft zwischen den gesellschaftlichen Gruppen und Schichten in Amerika bestehe, lasse sich nicht leugnen, führte Ibelli zu einer weiteren Frage aus. Aber, so der Diplomat, die Amerikaner sind die Menschen des Kompromisses. Insofern sei er hoffnungsvoll, dass Spaltungen überwunden werden könnten. Und wenn der Präsident zum Beispiel den Klimawandel negiert, hakte das Publikum nach. Na, vielleicht vertritt er da dann ur-amerikanische Interessen, aber die Realität könnte ja bald eine andere sein. Erstens würden viele US-Bundesstaaten in Sachen Klimaschutz ohnehin schon ganz anders agieren, als es das Weiße Haus tue und er, Ibelli, gehe zweitens davon aus, dass beispielsweise die E-Autos auch in Amerika mit Macht kommen werden, spätestens in den nächsten Jahren.

Abschließend versorgte der mit großem Applaus bedankte Konsul Stephen Ibelli die Lehrkräfte aus der Englisch-Fachschaft gerne mit Unterrichtsmaterial und stand für Fotos und persönliche Fragen bereit. Alles in offener Herzlichkeit, so wie wir Europäer uns das von Amerikanern wünschen würden, wenn sie da nicht sowieso schon unseren positiven Klischees entsprächen.


RÜDIGER KLEIN

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