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Fontane – als Klassiker krass aktuell?

Figuren - näher bei uns, als wir das wünschen mögen

fontane


Zum diesjährigen Fontanejubiläum, dem 200. Geburtstag des bedeutenden preußischen Dichters, hat sich die Klasse FW13a im Rahmen einer Portfolioarbeit daran gemacht, einmal etwas tiefer ins Werk einzusteigen. Die Schüler*innen haben aus der Perspektive von Romanfiguren Texte geschrieben und den als angestaubt geltenden Klassiker auf seine Aktualität hin abgeklopft.

Zur Auswahl stand die Bearbeitung einer Szene aus „Effi Briest“, einem der großen Eheroman der Weltliteratur. Das Wiedersehen mit Effis Tochter Annie ist enttäuschend und wird zum Anlass für eine Abrechnung Effis mit ihrem Exmann und der Gesellschaft. Zwar ist seither manches besser geworden, aber trotzdem werden Kinder auch heute noch als Waffen im Scheidungskrieg eingesetzt. Dies durchaus zu ihrem Schaden, wie Recherchen und eigene Erfahrungen der Klasse ergaben. Manche literarische Figur ist uns Heutigen damit bisweilen näher, als wir uns das wünschen mögen.

Auch das Problem unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten in Hinsicht auf Paarbeziehungen, das in „Irrungen, Wirrungen“ so klug-resignativ beschrieben wird, hat sich noch nicht erledigt, obwohl wir angeblich in einer Gesellschaft leben, in der Leistung zählt und nicht mehr Herkunft.

Sonderbar aktuell sind auch Fragen von Scham und Ehre wie in der Erzählung „Schach von Wuthenow“. Der vornehm-stolze Offizier bringt sich um, weil er und seine Verlobte durch bösartige Karikaturen öffentlich bloßgestellt wurden und er diese Schande nicht ertragen kann. Wem fiele da nicht der moderne Pranger „Internet“ mit all den neuen perfiden Möglichkeiten des Mobbings ein?

Die Ergebnisse dieser Arbeiten mit ihren sachlich-informierenden, argumentativen und kreativen Bestandteilen können sich auch optisch sehen lassen.

Im Folgenden eine besonders gut gelungene Kreativarbeit der Schülerin Ana Frančić:

Annie, Effis Tochter, ein Schulkind, schreibt nach dem Treffen mit ihrer Mutter einen Tagebucheintrag.

 

                                                                                                                                                                                                                 Berlin, 2. Februar 1896

 

Liebes Tagebuch,

gestern habe ich dir ja bereits geschrieben, dass ich mich heute mit meiner Mutter treffen würde. Ich wusste vorher überhaupt nicht, was ich erwarten sollte. Daheim haben wir keine Bilder von ihr – Papa hat nämlich gesagt, dass er sie nie wieder sehen möchte. Er redet nicht gerne über sie, aber immer wenn doch, sagt er keine schönen Dinge. Das kann ich schon gut verstehen, denn sie hat ihn ja betrogen. Wie konnte sie nur!? Ist sie ein Ungeheuer? Sie hat Vater sehr verletzt, und das kann ich ihr nicht verzeihen. Bevor Johanna und ich aufgebrochen sind, um sie zu besuchen, hat er mir sehr oft gesagt, dass ich immer schön höflich bleiben muss, aber ihr trotzdem nicht zu viel aus meinem Leben erzählen soll. Das kam mir gerade recht. Ich wollte nämlich gar nicht, dass sie mich besser kennenlernt, ich brauche sie nicht. Nicht, nachdem sie Papa damals so etwas angetan hat.

Als sie mich dann empfangen hat, war das ein sehr komisches Gefühl … da stand plötzlich diese Fremde vor mir, an die ich gar keine Erinnerungen hatte, und die sollte meine Mutter sein? Ich konnte es kaum glauben. Ich mag sie zwar nicht, aber ich habe mich trotzdem all die Jahre gefragt, wie sie wohl aussieht. Sie war so froh, als sie mich gesehen hat, dass sie mich umarmt und geküsst hat. Irgendwie war das schon ein gutes Gefühl. Auf einmal kamen mir dann doch Zweifel …

Wie wäre es wohl, wenn sie das Papa damals nicht angetan hätte? Würde sie immer noch bei uns leben? Würde sie mich dann oft umarmen und mir sogar sagen, dass sie mich liebhat? Papa macht sowas nie und irgendwie fehlt mir das …

Aber nein, was sag ich denn da? Wie kann ich nur an so was denken? Sie ist eine Fremde und wird das auch immer bleiben. Papa hat von Anfang an gesagt, dass das das erste und letzte Treffen sei. Deswegen wusste ich auch nicht genau, was ich ihr antworten sollte, als sie Pläne für weitere Treffen schmiedete. Deshalb hab ich auch einfach den gleichen Satz wiederholt. Das hat ihr anscheinend nicht gefallen … auf einmal war sie wie ausgewechselt und schneller, als ich denken konnte, stand ich wieder unten bei Johanna und wir gingen nach Hause.

Aber irgendwie muss ich immer an sie denken, auch wenn ich sie eigentlich hassen sollte … ich muss sie einfach wieder vergessen …

 

Annie von Innstetten

Margarete Brand, Studiendirektorin (Fachbetreuung Deutsch)

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