
Am 20. Januar 2026 unternahmen die Schülerinnen und Schüler der 13. Klassen im Rahmen des Unterrichts der Fachschaft Ethik-Religion eine Exkursion nach Würzburg, die der politischen sowie kulturellen Bildung diente. Ziel des Ausflugs war es, den Lernenden sowohl einen praxisnahen Einblick in die Arbeit der Verwaltungsgerichtsbarkeit zu ermöglichen als auch ihr Verständnis für die Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens in Unterfranken zu vertiefen.
An Würzburger Hauptbahnhof besuchte die Gruppe zunächst das Mahnmal zur Erinnerung an die Deportationen jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus der Region. Besonders eindrücklich waren die dort aufgestellten Koffer, die symbolisch für das Schicksal der deportierten Menschen stehen. Im Rahmen eines vorbereiteten Arbeitsauftrags hatten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit den individuellen und kollektiven Dimensionen von Verfolgung, Entrechtung und Deportation auseinandergesetzt.

Anschließend wurde die Gruppe am Verwaltungsgericht Würzburg empfangen. Der Besuch wurde durch Herrn Spahn initiiert und organisiert, wodurch den Schülerinnen und Schülern ein besonders authentischer Zugang zur Gerichtspraxis ermöglicht wurde. Zu Beginn stellte der Vizepräsident des Gerichts, Dr. Gerhard Weinmann, anschaulich den Aufbau der deutschen Gerichtsbarkeit vor. In einer Fragerunde nutzten die Schülerinnen und Schüler sodann die Gelegenheit, allgemeine und spezifische Fragen zu stellen, etwa zur Rolle der Richter oder zur Dauer von Verfahren. Im Anschluss nahm die Gruppe an einer Gerichtsverhandlung teil. Gegenstand war ein Asylverfahren, in dem ein Kläger gegen die Ablehnung seines Asylantrags durch die Bundesrepublik Deutschland vorging. Die Schülerinnen und Schüler konnten den strukturierten Ablauf – von der Darstellung des Sachverhalts über die rechtliche Würdigung bis hin zur Erörterung der Entscheidungsgrundlagen – unmittelbar miterleben und erhielten so einen realitätsnahen Eindruck von juristischen Entscheidungsprozessen und den Herausforderungen im Asylrecht.

Nach einer gemeinsamen Mittagspause begab sich die Gruppe zum Jüdischen Zentrum Würzburg. Der Besuch des dortigen Museums im Johanna-Stahl-Zentrum wurde von Frau Pfaab organisiert und die Schülerinnen und Schüler nahmen an einer Führung teil. Dabei erhielten sie einen umfassenden Überblick über die Geschichte des jüdischen Lebens in Unterfranken. Besonders eindrucksvoll war die Darstellung, dass es in der Region vor der Zeit des Nationalsozialismus über 100 jüdische Gemeinden gab, während heute nur noch eine zentrale Gemeinde in Würzburg existiert. Im weiteren Verlauf der Führung wurden zentrale Aspekte des jüdischen Glaubens und Alltagslebens vermittelt. Ein besonderer Programmpunkt war der Besuch der Synagoge, bei dem die Schüler – entsprechend der religiösen Tradition – eine Kippa trugen. Hier erhielten sie Einblicke in den Ablauf eines Synagogengottesdienstes sowie in religiöse Kleidungsvorschriften und Rituale.
Insgesamt stellte die Exkursion eine äußerst gewinnbringende Lernerfahrung dar. Sie verband historische Bildung mit aktuellen politischen und rechtlichen Fragestellungen und ermöglichte den Schülerinnen und Schülern einen anschaulichen Zugang zu komplexen Themenfeldern wie Rechtsstaatlichkeit, Migration sowie Erinnerungskultur und religiöser Vielfalt.
Guido Spahn, Dipl.-Theol.


